Fehler der Woche: Wenn der Boden wandert – Das Drama der vergessenen Dehnungsfuge
Ein Anruf aus Duisburg: „Unser Laminat schlägt plötzlich Wellen – man stolpert richtig darüber!“
Vor Ort bot sich mir ein Bild wie auf hoher See. Mitten im Wohnzimmer hatte sich der Boden stark nach oben gewölbt. Eine richtige Sprungschanze. Der Kunde war ratlos – er hatte doch „extra sauber und bündig“ bis an die Wand verlegt.
Und genau da lag das Problem.
Das Problem: Ein Boden lebt
Holz und Holzwerkstoffe wie Laminat oder Parkett sind keine starren Materialien. Sie reagieren auf ihre Umgebung – vor allem auf Temperatur und Luftfeuchtigkeit.
- Im Sommer oder bei hoher Luftfeuchtigkeit dehnt sich der Boden aus.
- Im Winter bei trockener Heizungsluft zieht er sich wieder zusammen.
Dieses „Arbeiten“ ist völlig normal. Aber nur, wenn der Boden genug Platz bekommt.
Hier wurde er jedoch ohne Abstand direkt gegen die Wand, unter die Türzargen und sogar fest an Heizungsrohre verlegt. Kein Millimeter Spielraum.
Was dann passiert
Ein Boden braucht Platz zum „Wachsen“. Wenn er diesen Platz an den Rändern nicht hat, stößt er gegen die Wand. Und die Wand gibt nicht nach.
Die Folge: Der Druck entlädt sich nach oben – meist in der Raummitte durch fehlende Randabstände.
Besonders kritisch wird es bei:
- großen zusammenhängenden Flächen
- durchgehend verlegten Böden über mehrere Räume
- Fußbodenheizungen
- Neubauten mit Restfeuchte
Hier wirken enorme Spannungen.
Die Lösung vom Profi
In diesem Fall mussten wir:
- alle Sockelleisten entfernen
- den Boden rundum mit einer Schattenfugensäge einkürzen
- problematische Stellen an Türzargen freilegen
- und an zwei Bereichen sogar Elemente neu einsetzen
Das ist aufwendig – und wäre vermeidbar gewesen.
Die goldene Regel
Mindestens 10–15 mm Abstand zu allen festen Bauteilen.
Dazu gehören:
- Wände
- Türzargen
- Heizungsrohre
- Treppen
- Säulen
- Kücheninseln
Bei sehr großen Räumen oder besonderen klimatischen Bedingungen kann sogar mehr Abstand sinnvoll sein.
Der Sockelleiste
Diese Fuge wird später elegant von der Sockelleiste verdeckt. Sie bleibt unsichtbar – aber darunter kann der Boden atmen.
Wichtig bei mehreren Räumen
Ein durchgehend verlegter Boden über zwei oder drei Räume sieht modern aus. Bauphysikalisch ist das aber oft eine kleine Zeitbombe.
Hier gilt:
- Übergangsprofile einplanen
- Dehnungsfugen in Türschwellen berücksichtigen
- Herstellerangaben zur maximalen Verlegefläche beachten
Viele Hersteller geben klare Quadratmeter-Grenzen an. Werden diese überschritten, entstehen Spannungen.
Das Learning
„Viel hilft viel“ gilt nicht beim Verlegen bis zur Wand.
Wer auf Kante näht, baut sich im Zweifel eine Indoor-Sprungschanze ins Wohnzimmer.
Geben Sie Ihrem Boden die Freiheit, die er braucht – dann bleibt er langfristig schön und eben.
Unser Experten-Tipp
- Messen Sie die Luftfeuchtigkeit (ideal: 40–60 %).
- Lassen Sie das Material im Raum akklimatisieren.
- Verwenden Sie Abstandshalter beim Verlegen.
- Halten Sie sich an die Herstellervorgaben.
Wenn sich Ihr Boden bereits wölbt, warten Sie nicht zu lange. Je früher man eingreift, desto geringer ist der Schaden. Wenn Sie einen Bodenleger in Duisburg oder Umgebung suchen, sprechen Sie uns gerne jederzeit an!
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